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ZPALWr. A/4003

Ich habe hier ja schon mehrfach über oligozäne Vögel mit offenbar brüchigen Gliedmaßen gesprochen ….

Dieser hier ist ein winziges Fossil, bestehend aus einer Platte und deren Gegenplatte (Positivplatte und Negativplatte?), und besteht aus einem einzelnen Fuß, einem ca. 3,6 cm langen, rechten Fuß, an dem obendrein auch nur der erste und der zweite Zeh erhalten geblieben sind.

Dieser Teilfuß wurde mit diversen anderen Vogelformen verglichen und weist die größten Übereinstimmungen mit den Taubenvögeln (Columbiformes) auf, so dass es sich hierbei eventuell tatsächlich um den Fuß einer fossilen Taube handeln könnte – es wäre dies dann die älteste bislang bekannte Taubenform. Die ältesten bis dahin bekannten Taubenfossilien stammen aus dem Miozän bzw. der Grenze zwischen dem Oberoligozän und dem Untermiozän, sie erinnern durchweg an moderne Formen und lassen sich oft auch heutigen Linien innerhalb der Columbiformes zuordnen.

Wie dem auch sei, ZPALWr. A/4003 ist nur in Teilen erhalten, so dass eine genauere Bestimmung erst wirklich möglich ist wenn weitere Funde auftauchen sollten. [1] 

Zeichnung nach: ‚Zbigniew M. Bocheński; Teresa Tomek; Ewa Świdnicka: A columbid-like avian foot from the Oligocene of Poland. Acta Ornithologica 45(2): 233-236. 2010‘

Sollte es sich hierbei tatsächlich um eine echte Taubenform handeln, so lässt sich deren Größe auf etwa 25 cm schätzen.

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Quelle:

[1] Zbigniew M. Bocheński; Teresa Tomek; Ewa Świdnicka: A columbid-like avian foot from the Oligocene of Poland. Acta Ornithologica 45(2): 233-236. 2010

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bearbeitet: 26.12.2020

NT-LBR-014

Die Art wird von den Autoren der Gruppe der Tyrannida zugeordnet, einer Gruppe von suboscinen Passeriformes, die heute ausschließlich in Süd- und mit einigen wenigen Arten auch in Nordamerika verbreitet ist und weist hier die größten Gemeinsamkeiten mit den Schnurrvögeln (Pipridae) auf. [2]

Die Tyrannida haben sich jedoch, so wird vermutet, auf den amerikanischen Kontinenten entwickelt, und zwar so ziemlich ungestört seit wohl bereits ca. 64 Millionen Jahren, also zu Beginn des Paläozän. Demnach wäre die Zuordnung dieses oligozänen Vogels aus Europa zu den Tyrannida doch etwas fraglich. [1]

Vielleicht handelt es sich hierbei um eine komplett ausgestorbene Linie von Pipra-ähnlichen suboscinen Vögeln, die später in Europa durch oscine Arten verdrängt wurden.

Skizze; den Flügel muss ich noch etwas ausbessern, und was das Federhäubchen angeht, das man im Originalfossil sehen kann, hierbei mag es sich einfach um Federn handeln, die zufällig an dieser Stelle abgelagert wurden

Es ist sehr ungewöhnlich, dass NT-LBR-014, trotz seiner äußerst guten Erhaltung, von den Autoren keinen Namen erhalten hat.

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Quelle: 

[1] John Reilly: The Ascent of Birds: how modern science is revealing their story. PELAGIC PUB LTD 2018
[2] Ségolène Riamon; Nicolas Tourment; Antoine Louchart: The earliest Tyrannida (Aves, Passeriformes), from the Oligocene of France. Scientific Reports 10(9776): 1-14. 2020

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bearbeitet: 25.12.2020

SMNS 59466/19

Hinter diesem Arbeitsnamen verbirgt sich ein winziges Knochenfragment, das distale Ende eines linken Humerus, gerade einmal 0,27 cm hoch und 0,26 cm breit, es stammt aus einer etwa 26 Millionen Jahre alten Fundstätte bei Herrlingen, Baden-Württemberg, Deutschland.

Auch wenn es sich hierbei um das wohl kleinste Fragment handelt, das in Herrlingen gefunden wurde, lässt sich dieses, im Gegensatz zu nahezu allen anderen, zumindest grob einer Gruppe zuordnen, nämlich zu den Euoscines oder Eupasseres, zu denen heute nur noch die Dickichtvögel (Atrichornithidae) und Leierschwänze (Menuridae) Australiens gehören.

Der Vogel wird zu Lebzeiten eine Größe von etwa ca. 9 bis 12,5 cm erreicht haben, je nachdem an welchem Referenzmaterial man sich orientiert.

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References:

[1] Albrecht Manegold: Passerine diversity in the late Oligocene of Germany: earliest evidence for the sympatric coexistence of Suboscines and Oscines.

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edited: 07.05.2020

Unbekannte Linien innerhalb der Ordnung der Sperlingsvögel

Die Ordnung der Sperlingsvögel, die heute weltweit verbreitet ist (abgesehen vom antarktischen Kontinent), lässt sich ganz grob in drei Unterordnungen aufspalten: die Passeri (oder Oscines), die Tyranni (oder Suboscines) und schließlich die Acanthisitti, die nur noch zwei Gattungen und Arten umfassen, die auf Neuseeland beschränkt sind.

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Anhand von oberoligozänen (vor 28 bis 23 Millionen Jahren) Fossilfunden aus Herrlingen, Baden-Württemberg, Deutschland ist noch mindestens eine vermutliche weitere „primitive“ Unterordnung mit mindestens einer Art belegt. [1]

Vermutlich gab es zu jener Zeit noch weitere solcher Unterordnungen von deren ehemaliger Existenz aber heute keine Fossilbelege mehr zeugen.

Ich habe mal ein bisschen herumgemessen und -gerechnet und bin auf eine geschätzte Gesamtgröße dieses Vogels von ungefähr 9 bis 15 cm gekommen, das ist so ziemlich genau total ungenau, als Referenzvögel habe ich Fotos von Starenskeletten sowie die Zeichnung eines Hopfstar-Skelettes (Fregilupus varius (Boddaert)) verwendet, wahrscheinlich kommt aber der kleinere Wert der Wahrheit am nächsten.

Vielleicht werde ich diesen namenlosen Vogel dann auch irgendwann einmal zeichnen.

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Referenzen:

[1] Albrecht Manegold: The early fossil record of perching birds (Passeriformes). Palaeontologica Africana 44: 103-107. 2009

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bearbeitet: 06.05.2020

Geheimnisvolle Vögel: Teil 1.: Die Familie Sylphornithidae

Hier möchte ich einmal eine Art Fortsetzungs“roman“ beginnen, der sich mit geheimnisvollen, kaum bekannten, rätselhaften Vogelformen beschäftigen soll.

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Die Familie Sylphornithidae wurde im Jahr 1988 für die Art Sylphornis bretouensis Mourer-Chauviré erstellt, die aus dem oberen Eozän Frankreichs stammt. Weitere Gattungen/Arten wurden später hinzugefügt. [1][2][3][4]

Die Familie umfasst sehr kleine, singvogelähnliche Vögelchen, gehört allerdings zur Ordnung der Spechtvögel (Piciformes) und ist innerhalb dieser Ordnung wahrscheinlich am nächsten mit den rezenten Glanzvögeln (Galbulidae) verwandt. Die Sylphornithidae sind hier nur eine von wahrscheinlich mehreren Familien innerhalb dieser Ordnung, die im Paläogen [Paläozän, Eozän, Oligozän] die Nischen besetzten, die heute von Singvögeln eingenommen werden. [4]

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Die bislang bekannten Vertreter der Sylphornithidae weisen einen semi-zygodactylen Fussbau auf, das bedeutet, die äußere Zehe konnte je nach Bedarf nach vorn oder nach hinten gedreht werden.

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Die folgenden Gattungen/Arten werden [von einigen Autoren] zur Familie Sylphornithidae gestellt.:

Palaegithalus cuvieri (Gervais): 1852 als Singvogel beschrieben, Oberes Eozän, Frankreich

Sylphornis bretouensis Mourer-Chauviré: 1988, Oberes Eozän, Frankreich [1]

Eutreptodactylus itaboraiensis Baird & Vickers-Rich: 1997, Oberes Paleozän, Brasilien; diese Art wurde ursprünglich der Familie der Kuckucke (Cuculidae) zugeordnet [2]

Oligosylphe mourerchauvireae Mayr & Smith: 2002, Unteres Oligozän, Belgien [3]

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Palaegithalus cuvieri; Typusexemplar, zu unvollständig um genauer untersucht werden zu können

Georges Cuvier: Recherches sur les ossemens fossiles de quadrupèdes : où l’on rétablit les caractères de plusieurs espèces d’animaux que les révolutions du globe paroissent avoir détruites. Paris: Deterville 1812

(public domain)
Palaegithalus cuvieri, diese beiden Exemplare scheinen heute nicht mehr zu existieren

Darstellungen aus: Alphonse Milne-Edwards: Recherches anatomiques et paléontologiques pour servir à l’histoire des oiseaux fossiles de la France. Paris: Victor Masson 1867-1871

(public domain)

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Es bleibt noch zu erwähnen, dass die Welt im Paläogen einerseits recht ähnlich ausgesehen haben mag wie heutzutage, dass aber viele bekannte Rollen von anderen „Darstellern“ eingenommen wurden, nicht nur bei den Säugern sondern auch bei den Vögeln. Echte Singvögel gab es zu dieser Zeit auf der heutigen Nordhalbkugel noch nicht oder zumindest noch kaum, ihre Nischen wurden von vollkommen anderen Vögeln eingenommen, darunter Verwandte der Hopfe, der Mausvögel, der Papageien oder der Spechtvögel.

Echte Singvögel, die nachweißlich in Australien entstanden, wanderten erst im Laufe des Paläogens ein und konnten sich schließlich zum Ende dieses Zeitalters wirklich etablieren und zu der unfassbaren Anzahl an Arten weiterentwickeln, die wir heute kennen.

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Referenzen:

[1] C. Mourer-Chauviré: Le gisement du Bretou (Phosphorites du Quercy, Tarn-et-Garonne, France) et sa faune des vertebres de l’Eocene superieur; 2. Oiseaux. [Le Bretou locality (Quercy Phosphorites, Tarn-et-Garonne, France) and its late Eocene vertebrate fauna; 2. Birds.]. Palaeontographica Abteilung A 205(1-6): 29-50. 1988
[2] Robert F. Baird; Patricia Vickers-Rich: Eutreptodactylus itaboraiensis gen. et sp. nov., an early cuckoo (Aves: Cuculidae) from the Late Paleocene of Brazil. Alcheringa: An Australasian Journal of Palaeontology 21(2): 123-127. 1997
[3] G. Mayr; Richard Smith: Avian remains from the lowermost Oligocene of Hoogbutsel (Belgium). Bulletin de l’Institut Royal des Sciences Naturelles de Belqique, Sciences de la Terre 72: 139-150. 2004
[4] Gerald Mayr: The phylogenetic relationships of the Tertiary Primoscenidae and Sylphornithidae and the sister taxon of crown group piciform birds. Journal of Ornithology 145(3): 188-198. 2004

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geändert: 26.05.2018