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Urvogel-Feder

Diese (nicht mehr ganz so) älteste bekannte Feder stammt mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit von dem weltberühmten Urvogel (Archaeopteryx lithographica von Meyer), der tatsächlich aber gar kein wirklicher Vogel im eigentlichen Sinn des Wortes war – aber dies genauer zu erklären überlasse ich Berufs-Paläoornithologen.

Rekonstruktion einer ca. 150 Millionen Jahre alten Feder

Die Feder, bislang erstaunlicherweise einzigartig geblieben, ist etwa 6 cm lang, sie war ziemlich wahrscheinlich sehr dunkel grau bis schwarz gefärbt und stammte wohl aus der Region der Flügeldecken. [1]

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Quelle:

[1] Ryan M. Carney; Helmut Tischlinger; Matthew D. Shawkey: Evidence corrobates identity of isolated fossil feather as a wing covert of Archaeopteryx. Scientific Reports 10: 15593. 2020

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bearbeitet: 15.11.2020

SMNS 59466/19

Hinter diesem Arbeitsnamen verbirgt sich ein winziges Knochenfragment, das distale Ende eines linken Humerus, gerade einmal 0,27 cm hoch und 0,26 cm breit, es stammt aus einer etwa 26 Millionen Jahre alten Fundstätte bei Herrlingen, Baden-Württemberg, Deutschland.

Auch wenn es sich hierbei um das wohl kleinste Fragment handelt, das in Herrlingen gefunden wurde, lässt sich dieses, im Gegensatz zu nahezu allen anderen, zumindest grob einer Gruppe zuordnen, nämlich zu den Euoscines oder Eupasseres, zu denen heute nur noch die Dickichtvögel (Atrichornithidae) und Leierschwänze (Menuridae) Australiens gehören.

Der Vogel wird zu Lebzeiten eine Größe von etwa ca. 9 bis 12,5 cm erreicht haben, je nachdem an welchem Referenzmaterial man sich orientiert.

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References:

[1] Albrecht Manegold: Passerine diversity in the late Oligocene of Germany: earliest evidence for the sympatric coexistence of Suboscines and Oscines.

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edited: 07.05.2020

Unbekannte Linien innerhalb der Ordnung der Sperlingsvögel

Die Ordnung der Sperlingsvögel, die heute weltweit verbreitet ist (abgesehen vom antarktischen Kontinent), lässt sich ganz grob in drei Unterordnungen aufspalten: die Passeri (oder Oscines), die Tyranni (oder Suboscines) und schließlich die Acanthisitti, die nur noch zwei Gattungen und Arten umfassen, die auf Neuseeland beschränkt sind.

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Anhand von oberoligozänen (vor 28 bis 23 Millionen Jahren) Fossilfunden aus Herrlingen, Baden-Württemberg, Deutschland ist noch mindestens eine vermutliche weitere „primitive“ Unterordnung mit mindestens einer Art belegt. [1]

Vermutlich gab es zu jener Zeit noch weitere solcher Unterordnungen von deren ehemaliger Existenz aber heute keine Fossilbelege mehr zeugen.

Ich habe mal ein bisschen herumgemessen und -gerechnet und bin auf eine geschätzte Gesamtgröße dieses Vogels von ungefähr 9 bis 15 cm gekommen, das ist so ziemlich genau total ungenau, als Referenzvögel habe ich Fotos von Starenskeletten sowie die Zeichnung eines Hopfstar-Skelettes (Fregilupus varius (Boddaert)) verwendet, wahrscheinlich kommt aber der kleinere Wert der Wahrheit am nächsten.

Vielleicht werde ich diesen namenlosen Vogel dann auch irgendwann einmal zeichnen.

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Referenzen:

[1] Albrecht Manegold: The early fossil record of perching birds (Passeriformes). Palaeontologica Africana 44: 103-107. 2009

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bearbeitet: 06.05.2020

Neu beschrieben – Alcmona-‚Vogel‘

Alcmona-‚Vogel‘ (Alcmonavis poeschli Rauhut, Tischlinger & Foth)

Diese Art, die gerade erst beschrieben wurde, ist nur anhand von Teilen der Flügel, bzw. eines Flügels, bekannt (siehe Foto).

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Der ’neue Vogel‘ lebte in was vor 150 Millionen Jahren der so genannte Solnhofen-Archipel war, Seite an Seite mit den berühmten Archaeopterygidae, war aber offenbar nicht sehr nah mit diesen verwandt. 

Die wenigen Knochen sind, zumindest für meine Augen, äußerlich denen von Archaeopteryx albersdoerferiKundrát et al. und Wellnhoferia grandis Elżanowski oder vielleicht sogar Jeholornis prima Zhou & Zhang aus China ziemlich ähnlich; sie zeigen aber immerhin, dass dieses Tier besser ans Fliegen angepasst war als die zeitgleich existierenden ‚Urvögel‘, darüber hinaus wird er aber, zumindest äußerlich, recht ähnlich ausgesehen haben. 

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Foto: Oliver Rauhut

(under creative commons license (4.0))
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0

Bis jetzt wurden nur die Überreste eines einzigen Arms, bzw. Flügels gefunden – ich hoffe es werden weitere Funde folgen.

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Quelle:

[1] Oliver W. M. Rauhut; Helmut Tischlinger; Christian Foth: A non-archaeopterygid avialan theropod from the Late Jurassic of southern Germany eLife DOI: 10.7554/eLife.43789.001. 2019 

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bearbeitet: 15.05.2019

Certhiops rummeli Manegold

Diese Art wurde 2008 beschrieben, so weit ich weiß anhand eines einzigen Knochens, eines vollständig erhaltenen rechten Tarsometatarsus, der immerhin der Überfamilie Certhioidea zugeordnet werden kann, nicht aber einer der rezenten Formen dieser Gruppe (Baumläufer, Mückenfänger, Zaunkönige) 

Meiner Meinung nach ähnelt der einzige bekannte Knochen jedoch am ehesten dem entsrechenden Knochen eines Kleibers.

Der Vogel wird eine Gesamtgröße von etwa 15 cm erreicht haben, war also größer als die meisten Baumläufer und kleiner als ein durchschnittlicher Kleiber.

Es handelt sich hierbei tatsächlich um den (bis jetzt) ältesten bekannten echten Singvogel der in Europa gefunden wurde.  

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Referenzen:  

[1] Albrecht Manegold: Earliest fossil record of the Certhioidea (treecreepers and allies) from the Early Miocene of Germany. Journal of Ornithology 149(2): 223-228. 2008  

Rekonstruktion; die Art erinnerte wohl am ehesten an einen Baumläufer/Kleiber-Mix

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bearbeitet: 25.02.2019