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Todiramphus ‚divinus‘ – der ‚Göttliche‘ Liest

Two species of Kingfishers were common on Bora-Bora (Halcyon veneratus and Todiramphus tutus), ….

und

HALCYON VENERATUS. (Ruru.)
This species is fairly common, especially on the island of Bora-Bora.

TODIRAMPHUS TUTUS.
Common throughout the Tahiti group.
“ [2]

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Diese beiden eher flüchtigen Randnotizen aus dem Jahr 1907 sind ein Hinweis auf die ehemalige Existenz einer Vogelart, die heute nicht mehr existiert und von der heute (fast) keine Spur mehr zu finden ist.

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Die Gesellschaftsinseln sind einer der ganz wenigen Orte, an denen zwei Eisvogelarten gemeinsam vorkommen, zumindest auf den Inseln Mo’orea und Tahiti im Ostteil der Inselgruppe; hier finden sich der weit verbreitete Borabora-Liest (Todiramphus tutus (Gmelin)), der in der gesamten Inselgruppe vorkommt sowie der Tahiti-Liest (Todiramphus veneratus (Gmelin)) und der Moorea-Liest (Todiramphus youngi Sharpe), die auf jeweils eine Insel beschränkt sind.

Die beiden Verweise auf die Insel Bora Bora deuten aber an, dass dies offenbar auch auf weiteren der Inseln der Fall war.

Tatsächlich ist der geheimnisvolle Liest aber nicht nur durch kleine Randnotizen sondern anhand von mindestens zwei Exemplaren bekannt, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts gesammelt wurden, und von denen eines offenbar noch existiert. Dieses einzige noch erhaltene Exemplar wurde 2008 untersucht und mit dem Tahiti- und dem Moorea-Liest verglichen. 

Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass es sich hierbei um einen nicht voll ausgefärbten Jungvogel der tahitianischen Art handelt, erwähnen jedoch auch einige Unterschiede, einschließlich eines viel kürzeren Schnabels und einiger Unterschiede im Gefiedermuster, und folgern, dass es sich möglicherweise auch um eine ausgestorbene Unterart handeln könnte. [3]

Die Art wurde auch mindestens einmal bildlich dargestellt (siehe unten). [1]

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Zwischen Bora Bora im nordwestlichen Teil der Inselgruppe und Mo’orea und Tahiti im Ostteil befinden sich noch vier weitere Inseln, nämlich Huahine, Mai’ao, Ra’iatea und Taha’a, die, zumindest heute, jeweils nur vom Borabora-Liest bewohnt werden.

Sollte die Insel Bora Bora tatsächlich einst zwei Eisvogelarten beherbergt haben, dann muss es sich bei diesem Vogel nicht um eine Unterart des Tahiti-Liest, sondern um eine eigenständige Art gehandelt haben; und, die anderen Inseln zwischen Bora Bora und Mo’orea und Tahiti müssen höchstwahrscheinlich ebenfalls heute ausgestorbene und unbekannte eigenständige Arten beherbergt haben.

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Meiner bescheidenen Meinung nach handelt es sich bei der Ortsangabe Bora Bora aber schlicht um einen Fehler, und die beiden dort gesammelten Vögel stammen wohl eher von der Insel Tahiti.

… doch wer weiß ….

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Referenzen:

[1] M. L. I. Duperrey: Voyage autour du monde: Exécuté par Ordre du Roi, Sur la Corvette de Sa Majesté, La Coquille, pendant les années 1822, 1823, 1824, et 1825, par M. L. I. Duperrey; Zoologie, par Mm. Lesson et Garnot. Paris: Arthus Bertrand 1828 
[2] S. B. Wilson: Notes on birds of Tahiti and the Society group. Ibis Ser. 9(1): 373-379. 1907
[3] Claire Voisin; Jean-François Voisin: List of type specimens of birds in the collections of the Muséum national d’Histoire naturelle (Paris, France). 18. Coraciiformes. Journal of the National Museum (Prague), Natural History Series 177(1): 1-25. 2008

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‚Göttlicher‘ Liest (Todiramphus ‚divinus‘)

Darstellung aus: ‘M. Lesson: Description du genre Todiramphe et de deux espèces d’oiseaux; qui le compossent. Mémoires de la Société d’Histoire naturelle de Paris 2(3): 419-422. 1827’

(public domain)

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bearbeitet: 24.10.2020

Ein Strandläufer vom Manua’e-Atoll, Gesellschaftsinseln?

The quail spoken of by an early writer as occuring on Christmas [Kiritimati] and possibly other islands was probably the native sandpiper, as it resembles a quail when running on the ground and a merchant here told me the other day of quail on Scilly Islands [Manua’e] which he is putting into coconuts.“ [1]

Übersetzung:;

Die Wachtel von einem früheren Schreiber als auf Christmas und möglicherweise anderen Inseln vorkommend erwähnt war wohl der einheimische Standläufer, da er einer Wachtel ähnelt wenn er am Boden rennt und ein Händler hier erzählte mir neulich von Wachteln auf den Scilly-Inseln die er in Kokosnüsse steckt.

Diese eher beiläufige Randnotiz ist der einzige Hinweis auf die frühere Existenz einer Strandläuferart (Prosobonia sp.) auf den ‚Inseln hinter dem Wind‘ in der Gruppe der Gesellschaftsinseln, einer Art derselben Gattung, von der bekannt ist, dass sie in der Vergangenheit auf den Inseln Mo’orea und Tahiti im Südosten des selben Archipels vorkam.

Die einzige der Inseln dieser Gruppe auf der man bisher eine Fossillagerstätte entdeckt hat ist Huahine, von dort liegen, zumindest bisher, noch keine Funde dieser Gattung vor.   

Die Form vom Manua’e-Atoll, wenn sie wirklich existiert hat – und ich denke, sie könnte durchaus existiert haben, könnte mit jener identisch gewesen sein, die aus subfossilen Überresten bekannt ist, die auf der Insel Mangaia im Cook-Archipel gefunden wurde [2], oder es mag sich um eine eigenständige Form gehandelt haben; aber sie war sicher nicht identisch mit den Vögeln der Inseln Mo’orea und Tahiti, und sie war auch ganz sicher nicht identisch mit dem Tuamotu-Strandläufer (Prosobonia parvirostris (Peale)), da das Manua’e-Atoll viel näher beim Cook-Archipel liegt als am Tuamotu-Archipel. 

Interessant ist die Tatsache, dass der oben zitierte Bericht offenbar aus dem frühen 20. Jahrhundert stammt, was darauf hinweist, dass diverse polynesische Vogelformen viel länger überlebt haben als oft angenommen.

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Referenzen:

[1] Whitney South Sea Expedition of the American Museum of Natural History. Extracts from the journal of Rollo H. Beck. Vol. 1, Sept 1920 – June 1923
[2] D. W. Steadman: Extinction and Biogeography of Tropical Pacific Birds. University of Chicago Press 2006

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bearbeitet: 15.03.2020

Schwarzstirnsittich – weniger bekannte Darstellungen

Dieser tahitianische Papagei ist einer meiner Lieblingsvögel, leider existiert er aber nicht mehr da er durch eingeschleppte Säugetiere (Hunde, Katzen, Ratten) ausgerottet wurde.

Hier möchte ich zwei Darstellungen zeigen, die ich noch nicht kannte; beide stammen aus dem Jahr 1792 und wurden von Mitgliedern der Besatzung der HMS Providence angefertigt, die mit der Mission nach Tahiti gekommen war, Brotfruchtbäume und anderes botanisches Material vom Pazifik zu den Westindischen Inseln zu transportieren. 

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Darstellung: George Tobin, Leutnant an Bord der HMS Providence

(public domain)

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Darstellung: William Bligh, Kapitän der HMS Providence

(public domain)

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bearbeitet: 27.10.2019

Mysteriöse Papageien aus Polynesien

Ich hatte hier bereits über eine hypothetische Papageienart geschrieben, die einst auf der Insel Bora Bora im Gesellschaftsarchipel vorgekommen sein mag.

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Ich möchte nun über ein paar sehr interessante Überlieferungen schreiben, die von Teuira Henry (1847-1915), einer tahitianischen Pädagogin, Ethnologin, Folkloristin, Historikerin, Linguistin und Gelehrten, in einem Manuskript hinterlassen wurden, das sie zu Lebzeiten aus den Stücken eines verlorenen Manuskripts rekonstruierte, das in den Jahren zwischen 1817 und 1856 ursprünglich von ihrem Großvater verfasst wurde. Es enthielt bedeutende Beiträge an mündlicher Folklore, Genealogie, Geschichte, Mythen und traditionellem Wissen wie Astronomie und Navigation. Ihr Manuskript wurde 1928 posthum vom Bernice Pauahi Bishop Museum als „Ancient Tahiti“ veröffentlicht. [1]

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Im Jahr 2006 schrieb Philippe Raust einen kleinen Artikel [2] über neu entdeckte und beschriebene Papageienarten, deren subfossile Überreste in Französisch Polynesien gefunden worden waren, er erwähnte hierbei auch die alten tahitianischen Namen einiger dieser Papageien, von denen einige jedoch immer noch keiner bekannten Art zugeordnet werden können.:  

… Peut être étaient-ce le vini-pa-tea perroquet de couleur pourpre à gorge blanche commun à toutes les îles de la Société et le vini-pa-uri de Pora Pora entièrement rouge décrit par T. Henry dans Tahiti au temps anciens? Il est connu que les plumes rouges étaient recherchées dans les sociétés polynésiennes préeuropéennes où elle symbolisaient le pouvoir des chefs; c’est peut être à cause de cela que ces espèces, trop chassées, ont disparu. T. Henry cite aussi le vini- rehu (perroquet sifleur gris), le tētē (perroquet noir de la Société), le ‘ura (perroquet rouge des montagnes) et le ‘a’a taevao (‘a’a sauvage des îles-sous-le-vent), le tavae (au plumage brillant et multicolore de Motu Iti, Tupai et Maupiha’a): cela fait au moins six espèces de perroquets, perruches et loris qui sont rapportés par la tradition.”  

Übersetzung:  

… Vielleicht waren es der vini-pa-tea Papagei von purpurner Farbe mit weißem Hals, der allen Inseln der Gesellschaft gemein war, und der völlig rote vini-pa-uri von Pora Pora [Bora Bora], die von T. Henry in ‚Ancient Tahiti’ beschrieben wurden? Es ist bekannt, dass rote Federn in voreuropäischen polynesischen Gesellschaften begehrt waren, da sie die Macht der Häuptlinge symbolisierten; dies könnte der Grund sein, warum diese überjagten Arten verschwunden sind. T. Henry benennt auch den vini-rehu (grauer pfeifender Papagei), den tētē (schwarzer Papagei der Gesellschaftsinseln), den ‚ura (roter Bergpapagei) und den ‚a’a taevao (wilder ‚a’a der Inseln unter dem Winde), der tavae (mit strahlendem und buntem Gefieder von Motu Iti, Tupai und Maupiha’a): dies macht mindestens sechs [sieben!] Arten von Papageien, Sittichen und Loris, über die Überlieferungen existieren.

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Nun haben wir hier also offenbar sieben Papageienarten, aber welche davon ist welche?

‘a’a taevao – Raiatea-Sittich (Cyanoramphus ulietanus (Gmelin)) 
tavae – Rubinlori (Vini kuhlii (Vigors) ssp. ‘Bora Bora’) ? 
tētē – Schwarzstirnsittich (Cyanoramphus zealandicus (Latham)) 
‘ura – ein mehr oder weniger komplett rot gefärbter Papagei, der offenbar nach seiner Farbe benannt wurde 
vini-pa-tea – Saphirlori (Vini peruviana (Statius Müller)) 
vini-pa-uri – Rubinlori (Vini kuhlii (Vigors) ssp. ‘Bora Bora’) ? 
vini-rehu – ein grauer Papagei [?] der pfeifende Geräusche macht, wie dem auch sei, rehu bedeutet jedenfalls nur grau; eventuell ein juveniler Saphirlori?

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Die Gesellschaftsinseln waren die Heimat von mindestens fünf wissenschaftlich beschriebenen Papageienarten, die entweder anhand alter Überlieferungen bekannt sind oder anhand von subfossilen Überresten, außerdem gab es eine weitere Art, die heute auf eine einzige Population auf nur einer Insel im Australarchipel reduziert ist, früher aber viel weiter verbreitet war.

Nur ganze zwei davon existieren auch heute noch und nur eine davon bewohnt zumindest noch winzige Reste ihrer einstigen Heimat – der unfassbar schöne Saphir- oder Tahiti-Lori (Vini peruviana).  

Saphirlori (Vini peruviana)  

Darstellung aus: ‚François Le Vaillant: Histoire naturelle des perroquets. Paris: Levrault, Schoell & Cie. An IX-XII. 1801–1805‘  

(public domain)   

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Quellen:

[1] Teuira Henry: Ancient Tahiti. Bishop Museum Bulletins 48: 1-651. 1928 
[2] Philippe Raust: Les Psittacidés disparus de Polynésie Francaise. Te Manu: Bulletin de la Société d’Ornithologie de Polynésie 56. Septembre 2006  

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bearbeitet: 17.09.2018