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Nahmavis grandei Musser & Clarke

Endlich, endlich beschrieben!

Das dazugehörige Fossil ist schon seit etlichen Jahren bekannt und wurde ursprünglich als Angehöriger der ausgestorbenen Familie Salmilidae aus der Ordnung der Seriemaartigen (Cariamaformes) betrachtet.

Des Weiteren konnte man oft lesen, dass es sich um einen flugunfähigen Vogel mit winzigen Stummelflügeln gehandelt haben muss, schließlich kann man diese Flügelchen ja im Foto ganz gut erkennen … nun, nein, kann man eben nicht, was man hier sieht sind einfach nur etwas ‚unglücklich‘ gewachsene Federn; schaut man genau hin findet sich aber nicht die Spur irgendeines Flügelknochens!

Tatsächlich sind die Vordergliedmaßen des Tieres nach dem Tod bzw. während der Verwesung vollständig abhanden gekommen; sämtliche noch vorhandenen restlichen Teile weisen auf einen normal flugfähigen Vogel hin, er wird also zu Lebzeiten ganz normal ausgebildete Flügel besessen haben..

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Nahmavis grandei, so heißt der Vogel nun, ist ein sehr ursprünglicher Vertreter der Regenpfeiferfamilie (Charadriiformes).

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Referenzen:

[1] Lance Grande: The Lost World of Fossil Lake: Snapshots from Deep Time. University of Chicago Press 2013  
[2] Grace Musser; Julia A. Clarke: An exceptionally preserved specimen from the Green River Formation elucidates complex phenotypic evolution in Gruiformes and Charadriiformes. Frontiers in Ecology and Evolution. 8:559929. doi: 10.3389/fevo.2020.559929. 2020

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Foto aus: ‚Grace Musser; Julia A. Clarke: An exceptionally preserved specimen from the Green River Formation elucidates complex phenotypic evolution in Gruiformes and Charadriiformes. Frontiers in Ecology and Evolution. 8:559929. doi: 10.3389/fevo.2020.559929. 2020‘

(under creative commmons license (4.0))
http://creativecommons.org/licenses/by/4.0

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bearbeitet: 26.10.2020

Fossile Vögel aus dem James Ross-Basin in der Westantarktis

Es dürfte schon aufgefallen sein, dass ich ein bisschen von den Vögeln des Paläozän besessen bin, auch weil wir jede Menge gar nichts über sie wissen, besonders über jene aus dem frühen Paläozän, dem Beginn der „T-Zeit“, der Zeit unmittelbar nach dem K T-Grenze.  

Nun, es gibt eine neue Veröffentlichung, die einen Überblick über die Vögel gibt, die genau zu dieser Zeit existierten, an der K/T-Grenze … auf dem Kontinent der Antarktis, um genauer zu sein, aber auch über diese Zeit hinaus bis zum Oligozän. [1]  

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Ich habe diese Veröffentlichung noch nicht vollständig gelesen, aber da fast alle Vogelfossilien aus diesem Gebiet auf einzelne Knochen oder manchmal Teilskelette beschränkt sind, wirft es nicht so viel neues Licht auf die vorherigen Aufzeichnungen.

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Quelle:

[1] Carolina Acosta Hospitaleche; Piotr Jadwiszczak; Julia A. Clarke; Marcos Cenizo: The fossil record of birds from the James Ross Basin, West Antarctica. Advances in Polar science 30(3): 250-272. 2019

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bearbeitet: 25.07.2019

Geheimnisvolle Vögel: Teil 1.: Die Familie Sylphornithidae

Hier möchte ich einmal eine Art Fortsetzungs“roman“ beginnen, der sich mit geheimnisvollen, kaum bekannten, rätselhaften Vogelformen beschäftigen soll.

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Die Familie Sylphornithidae wurde im Jahr 1988 für die Art Sylphornis bretouensis Mourer-Chauviré erstellt, die aus dem oberen Eozän Frankreichs stammt. Weitere Gattungen/Arten wurden später hinzugefügt. [1][2][3][4]

Die Familie umfasst sehr kleine, singvogelähnliche Vögelchen, gehört allerdings zur Ordnung der Spechtvögel (Piciformes) und ist innerhalb dieser Ordnung wahrscheinlich am nächsten mit den rezenten Glanzvögeln (Galbulidae) verwandt. Die Sylphornithidae sind hier nur eine von wahrscheinlich mehreren Familien innerhalb dieser Ordnung, die im Paläogen [Paläozän, Eozän, Oligozän] die Nischen besetzten, die heute von Singvögeln eingenommen werden. [4]

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Die bislang bekannten Vertreter der Sylphornithidae weisen einen semi-zygodactylen Fussbau auf, das bedeutet, die äußere Zehe konnte je nach Bedarf nach vorn oder nach hinten gedreht werden.

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Die folgenden Gattungen/Arten werden [von einigen Autoren] zur Familie Sylphornithidae gestellt.:

Palaegithalus cuvieri (Gervais): 1852 als Singvogel beschrieben, Oberes Eozän, Frankreich

Sylphornis bretouensis Mourer-Chauviré: 1988, Oberes Eozän, Frankreich [1]

Eutreptodactylus itaboraiensis Baird & Vickers-Rich: 1997, Oberes Paleozän, Brasilien; diese Art wurde ursprünglich der Familie der Kuckucke (Cuculidae) zugeordnet [2]

Oligosylphe mourerchauvireae Mayr & Smith: 2002, Unteres Oligozän, Belgien [3]

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Palaegithalus cuvieri; Typusexemplar, zu unvollständig um genauer untersucht werden zu können

Georges Cuvier: Recherches sur les ossemens fossiles de quadrupèdes : où l’on rétablit les caractères de plusieurs espèces d’animaux que les révolutions du globe paroissent avoir détruites. Paris: Deterville 1812

(public domain)
Palaegithalus cuvieri, diese beiden Exemplare scheinen heute nicht mehr zu existieren

Darstellungen aus: Alphonse Milne-Edwards: Recherches anatomiques et paléontologiques pour servir à l’histoire des oiseaux fossiles de la France. Paris: Victor Masson 1867-1871

(public domain)

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Es bleibt noch zu erwähnen, dass die Welt im Paläogen einerseits recht ähnlich ausgesehen haben mag wie heutzutage, dass aber viele bekannte Rollen von anderen „Darstellern“ eingenommen wurden, nicht nur bei den Säugern sondern auch bei den Vögeln. Echte Singvögel gab es zu dieser Zeit auf der heutigen Nordhalbkugel noch nicht oder zumindest noch kaum, ihre Nischen wurden von vollkommen anderen Vögeln eingenommen, darunter Verwandte der Hopfe, der Mausvögel, der Papageien oder der Spechtvögel.

Echte Singvögel, die nachweißlich in Australien entstanden, wanderten erst im Laufe des Paläogens ein und konnten sich schließlich zum Ende dieses Zeitalters wirklich etablieren und zu der unfassbaren Anzahl an Arten weiterentwickeln, die wir heute kennen.

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Referenzen:

[1] C. Mourer-Chauviré: Le gisement du Bretou (Phosphorites du Quercy, Tarn-et-Garonne, France) et sa faune des vertebres de l’Eocene superieur; 2. Oiseaux. [Le Bretou locality (Quercy Phosphorites, Tarn-et-Garonne, France) and its late Eocene vertebrate fauna; 2. Birds.]. Palaeontographica Abteilung A 205(1-6): 29-50. 1988
[2] Robert F. Baird; Patricia Vickers-Rich: Eutreptodactylus itaboraiensis gen. et sp. nov., an early cuckoo (Aves: Cuculidae) from the Late Paleocene of Brazil. Alcheringa: An Australasian Journal of Palaeontology 21(2): 123-127. 1997
[3] G. Mayr; Richard Smith: Avian remains from the lowermost Oligocene of Hoogbutsel (Belgium). Bulletin de l’Institut Royal des Sciences Naturelles de Belqique, Sciences de la Terre 72: 139-150. 2004
[4] Gerald Mayr: The phylogenetic relationships of the Tertiary Primoscenidae and Sylphornithidae and the sister taxon of crown group piciform birds. Journal of Ornithology 145(3): 188-198. 2004

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geändert: 26.05.2018

‘Neanis’ kistneri (Feduccia)

Neaniskistneri, der Gattungsname ist in Anführungszeichen geschrieben da der Vogel nicht zur Gattung Neanis gehört, zu der ansonsten eine einzige Art, Neanis schucherti Shufeldt, gehört, ist vermutlich ein Vertreter der Ordnung Piciformes und mag mit der Familie Galbulidae verwandt sein. 

Die Art ist bisher von einem einzigen, fast vollständigen Skelett bekannt, und wie so viele eozäne Vögel war sie ein Zwerg.  

Dies ist natürlich nur eine Skizze

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bearbeitet: 19.11.2017

Antarktischer Moa?

Die Ratiten (Laufvögel wie Emu, Kasuar, Kiwi, Nandu, Strauß) sind heutzutage aus verschiedenen Teilen der Welt bekannt, aber es ist nur schwer vorstellbar, dass sie einst auch in der Antarktis vorgekommen sein sollen.

Und doch ist dem so.

Die erste Spur, die auf die ehemalige Existenz solcher Vögel hindeutete waren Fußspuren, die ursprünglich der Familie der Terrorvögel (Phorusrhacidae) zugeordnet wurden; die nächste Spur tauchte im Jahr 1994 in Form eines Fragments eines Tarsometatarsus auf, und schließlich im Jahr 2012 kam noch ein Fragment eines Oberkiefer-/-schnabelknochens hinzu, der ziemlich sicher tatiten Ursprungs gewesen sein dürfte.

Basierend aus diesem Oberkieferfragment habe ich den Kopf (und Hals) dieses antarktischen Ratiten rekonstruiert.:

… sieht sehr Moa-ähnlich aus.   🙂  

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Referenzen:

[1] Claudia P. Tambussi; Jorge I. Noriega; Andrzej Gaździcki; Andrzej Tatur; Marcelo A. Reguero; Sergio F. Vizcaino: Ratite bird from the Paleogene La Meseta Formation, Seymour Island, Antarctica. Polish Polar Research 15(1-2): 15-20. 1994
[2] Marcos Cenizo: Review of the putative Phorusrhacidae from the Cretaceous and Paleogene of Antarctica: new records of ratites and pelagornithid birds. Polish Polar Research 33(3): 239-258. 2012

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bearbeitet: 13.06.2016