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Mysteriöse Papageien aus Polynesien

Ich hatte hier bereits über eine hypothetische Papageienart geschrieben, die einst auf der Insel Bora Bora im Gesellschaftsarchipel vorgekommen sein mag.

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Ich möchte nun über ein paar sehr interessante Überlieferungen schreiben, die von Teuira Henry (1847-1915), einer tahitianischen Pädagogin, Ethnologin, Folkloristin, Historikerin, Linguistin und Gelehrten, in einem Manuskript hinterlassen wurden, das sie zu Lebzeiten aus den Stücken eines verlorenen Manuskripts rekonstruierte, das in den Jahren zwischen 1817 und 1856 ursprünglich von ihrem Großvater verfasst wurde. Es enthielt bedeutende Beiträge an mündlicher Folklore, Genealogie, Geschichte, Mythen und traditionellem Wissen wie Astronomie und Navigation. Ihr Manuskript wurde 1928 posthum vom Bernice Pauahi Bishop Museum als „Ancient Tahiti“ veröffentlicht. [1]

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Im Jahr 2006 schrieb Philippe Raust einen kleinen Artikel [2] über neu entdeckte und beschriebene Papageienarten, deren subfossile Überreste in Französisch Polynesien gefunden worden waren, er erwähnte hierbei auch die alten tahitianischen Namen einiger dieser Papageien, von denen einige jedoch immer noch keiner bekannten Art zugeordnet werden können.:  

… Peut être étaient-ce le vini-pa-tea perroquet de couleur pourpre à gorge blanche commun à toutes les îles de la Société et le vini-pa-uri de Pora Pora entièrement rouge décrit par T. Henry dans Tahiti au temps anciens? Il est connu que les plumes rouges étaient recherchées dans les sociétés polynésiennes préeuropéennes où elle symbolisaient le pouvoir des chefs; c’est peut être à cause de cela que ces espèces, trop chassées, ont disparu. T. Henry cite aussi le vini- rehu (perroquet sifleur gris), le tētē (perroquet noir de la Société), le ‘ura (perroquet rouge des montagnes) et le ‘a’a taevao (‘a’a sauvage des îles-sous-le-vent), le tavae (au plumage brillant et multicolore de Motu Iti, Tupai et Maupiha’a): cela fait au moins six espèces de perroquets, perruches et loris qui sont rapportés par la tradition.”  

Übersetzung:  

… Vielleicht waren es der vini-pa-tea Papagei von purpurner Farbe mit weißem Hals, der allen Inseln der Gesellschaft gemein war, und der völlig rote vini-pa-uri von Pora Pora [Bora Bora], die von T. Henry in ‚Ancient Tahiti’ beschrieben wurden? Es ist bekannt, dass rote Federn in voreuropäischen polynesischen Gesellschaften begehrt waren, da sie die Macht der Häuptlinge symbolisierten; dies könnte der Grund sein, warum diese überjagten Arten verschwunden sind. T. Henry benennt auch den vini-rehu (grauer pfeifender Papagei), den tētē (schwarzer Papagei der Gesellschaftsinseln), den ‚ura (roter Bergpapagei) und den ‚a’a taevao (wilder ‚a’a der Inseln unter dem Winde), der tavae (mit strahlendem und buntem Gefieder von Motu Iti, Tupai und Maupiha’a): dies macht mindestens sechs [sieben!] Arten von Papageien, Sittichen und Loris, über die Überlieferungen existieren.

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Nun haben wir hier also offenbar sieben Papageienarten, aber welche davon ist welche?

‘a’a taevao – Raiatea-Sittich (Cyanoramphus ulietanus (Gmelin)) 
tavae – Rubinlori (Vini kuhlii (Vigors) ssp. ‘Bora Bora’) ? 
tētē – Schwarzstirnsittich (Cyanoramphus zealandicus (Latham)) 
‘ura – ein mehr oder weniger komplett rot gefärbter Papagei, der offenbar nach seiner Farbe benannt wurde 
vini-pa-tea – Saphirlori (Vini peruviana (Statius Müller)) 
vini-pa-uri – Rubinlori (Vini kuhlii (Vigors) ssp. ‘Bora Bora’) ? 
vini-rehu – ein grauer Papagei [?] der pfeifende Geräusche macht, wie dem auch sei, rehu bedeutet jedenfalls nur grau; eventuell ein juveniler Saphirlori?

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Die Gesellschaftsinseln waren die Heimat von mindestens fünf wissenschaftlich beschriebenen Papageienarten, die entweder anhand alter Überlieferungen bekannt sind oder anhand von subfossilen Überresten, außerdem gab es eine weitere Art, die heute auf eine einzige Population auf nur einer Insel im Australarchipel reduziert ist, früher aber viel weiter verbreitet war.

Nur ganze zwei davon existieren auch heute noch und nur eine davon bewohnt zumindest noch winzige Reste ihrer einstigen Heimat – der unfassbar schöne Saphir- oder Tahiti-Lori (Vini peruviana).  

Saphirlori (Vini peruviana)  

Darstellung aus: ‚François Le Vaillant: Histoire naturelle des perroquets. Paris: Levrault, Schoell & Cie. An IX-XII. 1801–1805‘  

(public domain)   

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Quellen:

[1] Teuira Henry: Ancient Tahiti. Bishop Museum Bulletins 48: 1-651. 1928 
[2] Philippe Raust: Les Psittacidés disparus de Polynésie Francaise. Te Manu: Bulletin de la Société d’Ornithologie de Polynésie 56. Septembre 2006  

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bearbeitet: 17.09.2018