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Seltsame Kreidezeit-Füße – Teil 4: YLSNHM01001

YLSNHM01001 ist ein winziges Bernsteinfossil (ca. 2,5 x 1,8 cm), das Teile eines Vogelfußes bzw. Reste der Haut die diesen Fuß einst umgab, inklusive einer der Fußkrallen sowie Teile der Schwanzfedern umfasst.

Trotz der schlechten Erhaltung steht fest, dass es sich hierbei um einen enantiornithiden Vogel handelt sowie ebenfalls um eine bislang unbekannte Art.

Der Fuß (inklusive der Krallen) hat eine Länge von ca. 1,5 cm. Der vierte Zeh des Fußes ist in seinem Umfang etwa doppelt so groß wie die übrigen Zehen, so weit diese zu erkennen sind. Er erscheint auffällig geschwollen, und eventuell litt dieser Vogel an einer Infektion dieses Zehs. Es ist aber auch möglich, dass es sich hierbei um Verwesungsspuren handelt, worauf auch zahlreiche warzenartig aussehende Blasen hindeuten, die sich entlang der erhaltenen Hautpartien erkennen lassen.

Der Gesamtbau des Fußes lässt darauf schließen, dass YLSNHM01001 ein kleiner insektenfangender Miniaturraubvogel gewesen sein dürfte. [1]

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Referenzen: 

[1] Lida Xing; Ryan C. McKellar; Jingmai K. O’Connor; Kecheng Niu: A mid-Cretaceous enantiornithine foot and tail feather preserved in amber. Scientific Reports 9 (1): 1–8. 2019
[2] A. D. Clark; J. K. O’Connor: Exploring the ecomorphology of two Cretaceous enantiornithines with unique pedal morphology. Frontiers in Ecology and Evolution 9: 654156. doi: 10.3389/fevo.2021.654156. 2021

YLSNHM01001
Rekonstruktion des Fußes; links: linker Fuß von der linken Körperseite betrachtet, rechts: rechter Fuß von oben betrachtet
Rekonstruktion des gesamten Vogels; er erreicht hier eine Gesamtlänge von ca 22 cm, ist also gar nicht so winzig wie ich ursprünglich gedacht hatte

an den Füßen und den Schwanzfedern muss ich noch mal arbeiten …

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bearbeitet: 19.06.2021

Shengjingornis yangi Li, Wang, Zhang & Hou

Dieses nette kleine Vögelchen, welches in etwa eine Länge von nicht ganz 20 cm erreicht haben dürfte, stammt aus Schichten, die sich auf ein Alter von 122 Millionen Jahren datieren lassen.

Die Art ist bislang wohl nur anhand eines einzigen Skelettes bekannt, das dafür aber vollständig ist; das Gefieder ist allerdings nicht erhalten.

Der Schnabel, wenn man das Schnäuzchen denn so nennen möchte, war leicht abwärts gebogen und trug ganz vorn noch ein paar winzige Zähnchen. [1]

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Rekonstruktion, ich habe mich strikt an das Skelett gehalten … und trotzdem sieht das Ergebnis wie eine Taube aus

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Quelle:

[1] Li Li; Jinqi Wang; Xi Zhang; Shilin Hou: A new enantiornithine bird from the lower Cretaceous Jiufotang Formation in Jinzhou Area, western Liaoning Province, China. Acta Geologica Sinica 86(5): 1039-1044. 2012 

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bearbeitet: 13.04.2021

IVPP V13939

Hinter dieser Buchstaben- und Nummernfolge verbirgt sich ein interessantes Vogelfossil aus der Unteren Kreide Chinas.

Das Fossil besteht aus dem hinteren Teil des Vogels, der Kopf und Teile des Vorderskelettes fehlen, Federn sind ebenfalls erhalten, und hier fallen vor allem einige relativ lange Federn an den Unterschenkeln auf, die etwa die halbe Länge des Beinknochens aufweisen.

Die Art wurde bislang offenbar nicht beschrieben oder benannt, ist aber in Matthew P. Martyniuks „A Field Guide to Mesozoic Birds and other Winged Dinosaurs“ abgebildet, wobei ich die hier dargestellten Beinfedern am entsprechenden Fossil vermisse. Die Federn am Fossil ähneln eben nicht den Körper- oder Flugfedern wie im Buch dargestellt, sondern weisen einen sehr viel einfacheren Aufbau auf. Alles in allem erinnern diese Beinfedern sehr an die heutiger Vögel wie z.B. einigen Greifvogelarten, sie dürften daher keinen besonderen Einfluss auf die Flugeigenschaften des Vogels gehabt haben.

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Rekonstruktion, der Kopf ist leider nicht bekannt

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Quellen:

[1] Fucheng Zhang; Zhonghe Zhou: Leg feathers in an Early Cretaceous bird. Nature 431: 925. 2004
[2] Matthew P. Martyniuk: A Field Guide to Mesozoic Birds and other Winged Dinosaurs. Pan Aves 2012

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bearbeitet: 12.04.2021

Graculavus augustus Hope

Dieser immer noch recht rätselhafte Vogel, auch bekannt als „Ornithurine C“, wird in einer Studie aus dem Jahr 2011 erwähnt, die sich mit dem Aussterben mehrerer Vogel-Kladen am Ende der Kreidezeit befasst. [1]  

Die Art scheint anhand von mindestens vier Coracoiden bzw. Überresten davon bekannt zu sein, die als „SDSM 64281A“, „SDSM 64281B“, „UCMP 175251“ und „MOR 2918“ bezeichnet werden und die überwiegend aus Schichten der späten Kreidezeit stammen, aber eben auch aus Schichten, die dem untersten Paläozän zugeordnet werden können.:

One of these species, Ornithurine C, is known from the Paleocene and therefore represents the only Maastrichtian bird known to cross the K–Pg boundary.“ [1]

Übersetzung:

Eine dieser Arten, Ornithurine C, ist aus dem Paläozän bekannt und stellt daher den einzigen Maastricht-Vogel dar, von dem bekannt ist, dass er die K/T-Grenze überschreitet.“  

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Laut den Autoren könnte diese Art mit einer Art identisch sein, die als Graculavus augustus Hope bezeichnet wurde, ein Vogel, der anscheinend zu den Charadriiformes gehört, sich aber sehr von allen heute lebenden charadriiformen Vögeln unterschied, zu Lebzeiten muss er an eine Art Riesen-Brachvogel oder -Triel erinnert haben. [2]

Die Art ist tatsächlich die einzige bisher bekannte Vogelart, der es gelungen ist das Massensterben am Ende der Kreidezeit zu überleben!

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Rekonstruktion, da diese Formen allesamt nur anhand fragmentarischer Knochenreste bekannt sind, ist auch eine perfekte Rekonstruktion nur bedingt möglich

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Quellen:

[1] Nicholas R. Longrich; Tim Tokaryk; Daniel J. Field: Mass extinction of birds at the Cretaceous-Paleogene (K-Pg) boundary. PNAS 108 (37) 15253-15257. 2011 
[2] Nicholas R. Longrich; Tim Tokaryk; Daniel J. Field: Mass extinction of birds at the Cretaceous-Paleogene (K-Pg) boundary. PNAS 108 (37) 15253-15257. 2011. Supplementary Information

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bearbeitet: 12.04.2021

Skizze – Sichelschnabel-Gegenvogel (Falcatakely forsterae)

… bislang ist ausschließlich der Schädel dieses eigenartigen Vogels bekannt, der aber ziemlich wahrscheinlich überhaupt kein Vogel sondern etwas vollkommen anderes war [1][2][3]

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Quelle:

[1] Andrea Cau: Falcatakely: eterodossia e pluralismo nell’Anno di Oculudentavis. Theropoda. 27 Novembre 2020 
[2] Mickey Mortimer: Is Falcatakely a bird? The Theropod Database Blog. November 28, 2020
[3] Patrick O’Connor; Alan H. Turner; Joseph R. Groenke; Ryan N. Felice; Raymond R. Rogers; David W. Krause; Lydia J. Rahantarisoa: Late Cretacous bird from Madagascar reveals unique development of beaks. Nature. 2020 Nov 25. doi: 10.1038/s41586-020-2945-x.

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bearbeitet: 28.11.2020

Seltsame Kreidezeit-Füße – Teil 2: DIP-V-15105a/b

DIP-V-15105a und DIP-V-15105b sind zwei Bernsteinfossilien, einmal ein fast vollständig erhaltener Fuß und zum anderen Teile eines Flügels, bzw. dessen Federn, beide gehören ziemlich wahrscheinlich zueinander.

DIP-V-15105a/b erreichte die Größe eines Kolibris, genauer gesagt eines winzigen Kolibris.

Der Fuß (es ist der rechte Fuß) ist interessanterweise bis fast zu den Zehen befiedert, wobei sich hier sogar zwei verschiedene Federformen finden, etwas längere, offenbar bräunlich gefärbte, dicht stehende Federn auf der Fußoberseite sowie vereinzelte, winzige borstenartige Federchen auf den eigentlichen Zehen selbst. 

Dem Fußbau nach zu urteilen war dieser Vogel einem heutigen Baumläufer oder Kleiber vergleichbar, lebte also in den Wipfeln der Bäume und hielt sich bevorzugt an den größeren Ästen und den Stämmen auf wo er auf der Suche nach Insektenbeute schließlich mit dem Fuß in ausgetretenem Baumharz kleben blieb und so einen grausigen Tod fand.  

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Referenzen:

[1] Lida Xing; Ryan C. McKellar; Jingmai K. O’Connor; Ming Bai; Kuowei Tseng; Luis M. Chiappe: A fully feathered enantiornithine foot and wing fragment preserved in mid-Cretaceous Burmese amber. Scientific Reports 9(129): 1-9. 2019

Rekonstruktion des Fußes; ich habe die Federn in der vermutlichen Originalfarbe wiedergegeben
Rekonstruktion des gesamten Vogels; hier wohlgemerkt in etwa in Lebensgröße – Gummibärchen zum Größenvergleich
meine letzte Rekonstruktion; wenn die Proportionen stimmen erreichte dieses ‚Ding‘ die gigantische Größe von 4 cm, VIER ZENTIMETER!!!

leider habe ich gerade kein Gummibärchen zur Hand …. 

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bearbeitet: 15.12.2019

Fossile Vögel aus dem James Ross-Basin in der Westantarktis

Es dürfte schon aufgefallen sein, dass ich ein bisschen von den Vögeln des Paläozän besessen bin, auch weil wir jede Menge gar nichts über sie wissen, besonders über jene aus dem frühen Paläozän, dem Beginn der „T-Zeit“, der Zeit unmittelbar nach dem K T-Grenze.  

Nun, es gibt eine neue Veröffentlichung, die einen Überblick über die Vögel gibt, die genau zu dieser Zeit existierten, an der K/T-Grenze … auf dem Kontinent der Antarktis, um genauer zu sein, aber auch über diese Zeit hinaus bis zum Oligozän. [1]  

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Ich habe diese Veröffentlichung noch nicht vollständig gelesen, aber da fast alle Vogelfossilien aus diesem Gebiet auf einzelne Knochen oder manchmal Teilskelette beschränkt sind, wirft es nicht so viel neues Licht auf die vorherigen Aufzeichnungen.

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Quelle:

[1] Carolina Acosta Hospitaleche; Piotr Jadwiszczak; Julia A. Clarke; Marcos Cenizo: The fossil record of birds from the James Ross Basin, West Antarctica. Advances in Polar science 30(3): 250-272. 2019

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bearbeitet: 25.07.2019