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Raigide / Nauru-Honigfresser

Nauru-Honigfresser (Myzomela sp.)

Diese Art (oder Unterart) mag auf der Insel Nauru vorgekommen sein, sie wird allerdings offenbar in nur einem einzigen Bericht erwähnt, und dabei handelt es sich um Erzählungen aus zweiter Hand.

Paul Hambruch, der Enthnologe der zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Leben der Einwohner der Insel Nauru erforschte erwähnt in seinem Bericht Geschichten, die ihm von einem Einheimischen namens Auuiyeda erzählt wurden und in denen unter anderem auch von den einheimischen Vögeln die Rede ist.:

Die Vogelwelt ist nach Zahl und Art reicher. Der Fregattvogel (Tachypetes aquila), itsi, die schwarze Seeschwalbe (Anous), doror, die weiße Seeschwalbe (Gygis), dagiagia, werden als Haustiere gehalten; der erste galt früher als heiliger Vogel, mit den beiden anderen werden Kampfspiele veranstaltet. Am Strande trifft man den Steinwälzer (Strepsilas interpres), dagiduba, den Regenpfeifer (Numenius), den Uferläufer (Tringoides), ibibito, die Schnepfe, ikirer, den Brachvogel ikiuoi, den Strandreiter iuji, die Ralle, earero bauo und zwei Möwenarten (Sterna), igogora und ederakui. Im Busche beobachtet man an den Blüten der Kokospalme den kleinen Honigsauger raigide, die Rohrdrossel (Calamoherpe syrinx), itirir und den Fliegenschnäpper (Rhipidura), temarubi.” [1]  

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Seltsamerweise gilt der Bericht als unglaubwürdig [2], was ich persönlich überhaupt nicht verstehe, denn die drei hier genannten Vogelformen (eine Ralle, ein Honigfresser und ein Fächerschwanz) sind sehr wohl aus Mikronesien bekannt und kommen bzw. kamen auf etlichen der Inseln vor.

Im Falle dieses Honigfressers mag es sich, der doch recht isolierten Lage Naurus entsprechend, um eine eigenständige Art gehandelt haben oder aber um eine Unterart des Mikronesischen Honigfressers (Myzomela rubratra (Lesson)) (siehe Foto), der in Mikronesien mit vier Unterarten verbreitet und dort eigentlich auch überall recht häufig ist. 

Der Nauru-Honigfresser verschwand vermutlich aufgrund von Bejagung (der roten Federn wegen aber auch weil diese Vögel in ihrer Heimat als Delikatesse gelten) sowie in Folge der nahezu kompletten Zerstörung der Vegetation durch den massiven Guano/Phosphat-Abbau, der auf Nauru stattfand.

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Foto: thibaudaronson
https://www.inaturalist.org/people/thibaudaronson

(under creative commons license (4.0))
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/

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Quellen:

[1] Paul Hambruch: Nauru. Ergebnisse der Südsee-Expedition 1908-1910. II. Ethnographie: B. Mikronesien, Band 1.1 Halbband. Hamburg, Friedrichsen 1914
[2] Donald W. Buden: The birds of Nauru. Notornis 55: 8-19. 2008

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bearbeitet: 20.03.2021