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Ohrentaube

Ohrentaube (Columba auricularis Temminck & Knip)

Erst kürzlich, also heute (10.03.2020), habe ich zum ersten Mal von dieser Taube gehört, was ist über diesen Vogel bekannt?

Darstellung aus: ‘Pauline Knip: Les pigeons, par Madame Knip, née Pauline de Courcelles, le texte par C. J. Themminck. Paris: chez Mme. Knip 1838-1843’

(public domain)

Nun, lesen wir (einen Teil) der Beschreibung.:

Nous avons vu une variété entièrement blanche qui n’avoit du noir que sur la queue; d autres avoient le plumage plus ou moins marqué de taches grises et noires : ces derniers nous ont paru être de jeunes oiseaux. Les pieds sont constamment d’un beau rouge, et le bec est noir.
Nous présumons que l’Oricou habite les îles de la mer Pacifique, c’est du moins par des vaisseaux venant de ces parages que quelques individus ont été rapportés en Angleterre. Le Pigeon qui a servi de modèle à notre planche coloriée est déposé dans le cabinet de M. Raye de Breukelerwaert à Amsterdam. Cet amateur possède aussi la variété de cette espèce, dont les ailes sont entièrement blanches.” [1]

Übersetzung:

Wir sahen eine völlig weiße Form, die nur am Schwanz schwarz war; andere hatten ein mehr oder weniger ausgeprägtes Gefieder mit grauen und schwarzen Flecken: Dies schienen uns junge Vögel zu sein. Die Füße sind durchgehend schön rot und der Schnabel ist schwarz.
Wir gehen davon aus, dass der Oricou auf den Inseln des Pazifischen Ozeans lebt, es wurden jedoch weniger Exemplare von Schiffen aus diesen Gebieten als in England gemeldet. Die Taube, die als Modell für unsere Farbtafel diente, befindet sich im Kabinett von Herrn Raye de Breukelerwaert in Amsterdam. Dieser Amateur hat auch eine Variante dieser Art, deren Flügel völlig weiß sind.


Die Beschreibung basiert eindeutig auf einem ausgestopften Exemplar, und der erste und der letzte Satz sind besonders interessant … aus Gründen … 

*** 

Der Vogel wird auch in einem anderen Werk erwähnt.:

Note. – The Columba auricularis, Temm. Pig. t. 20,

is said to inhabit some of the islands of the Pacific Ocean; and others have more particularly given the Friendly Islands 
[Tonga] as the abode of this bird; but it is only an artificial production of some ingenious bird-preserver.” [2]

Übersetzung: 

Anmerkung. – Die Columba auricularis, Temm. Pig. t. 20, 
… 
soll einige der Inseln des Pazifischen Ozeans bewohnen; und andere haben insbesondere die Freundschaftsinseln [Tonga] als Wohnsitz dieses Vogels angegeben; aber es ist nur ein Kunstwerk eines genialen Präperators
.“ [2] 

Ah, da ist es: Das Colombe Oricou war offenbar eine der vielen erfundenen Tierarten, die in Museums- und Privatsammlungen auf der ganzen Welt aufbewahrt, von äußerst talentierten Präparatoren hergestellt und als äußerst seltene Exemplare zu höchsten Preisen verkauft wurden – eine Praxis die früher durchaus üblich war. 

*** 

Bleibt nur noch die Frage: Um welche Vögel handelt es sich hier? Der Körper könnte der einer gewöhnlichen Wildtaube gewesen sein, und die nackten Teile könnten tatsächlich nur gerupft und nachträglich bemalt worden sein. 

Das ist auch schon alles.

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Ein kleines Update hierzu.:

Und … zum Beweis, dass es von dieser frei erfundenen Vogelarten tatsächlich mindestens ein Präparat gegeben hat ….:

Photo: Naturalis Biodiversity Center
https://www.naturalis.nl
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/

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Quellen:

[1] Pauline Knip: Les pigeons, par Madame Knip, née Pauline de Courcelles, le texte par C. J. Themminck. Paris: chez Mme. Knip 1838-1843
[2] George Robert Gray: Catalogue of the birds of the tropical islands of the Pacific Ocean in the collection of the British Museum. London: printed by order of the Trustees 1859

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edited: 19.04.2024